Vorhang auf – Die alte Stadt als Erlebnis

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Ein Rückblick auf die Fachtagung der AG Historische Stadt- und Ortskerne in Detmold am 11.10.2018:

Fast 100 Teilnehmer waren aus allen Ecken Nordrhein-Westfalens nach Detmold angereist, um sich einen Tag lang mit den touristischen Potentialen ihrer historischen Städte auseinanderzusetzen. Das Programm war abwechslungsreich gestrickt und bot auch neben der Veranstaltung Anlass zu regen Diskussionen.

Der Tag startete mit drei Hauptreferenten (von denen Martina Leicher von COMPASS eine war): Andreas Reiter vom Zukunftsbüro in Wienhob zielte vor allem auf die jüngeren, onlineaffinen Touristen und ihre „neuen“ Anforderungen für „alte“ Städte ab: Reisen bedeute heute mehr denn je vor allem das Sammeln von Erlebnissen, die dann über die Sozialen Netzwerke in alle Welt geteilt werden. Städte müssen daher vor allem „erlebbar“ sein, die Informationen über die Angebote in Echtzeit mobil zur Verfügung stehen und ebenfalls mobil buchbar sein. Kleinere historische Städte bieten hierfür kompakte Erlebnisräume, die zwar die Sehnsucht nach dem Ursprünglichem und Echten bedienen können, in Punkto Inszenierung und „Instagramability“ aber noch einiges aufzuholen haben.

Baukultur in Detmold © COMPASS GmbH

Martina Leichers Vortrag folgte, in dem es mehr um die Synergien von Baukultur und Tourismus und unsere beiden Bundesstudien ging. Aus unseren Untersuchungen lässt sich ja auch immer wieder ableiten, dass Touristen das Einzigartige, Atmosphärische und Typische suchen. Baukultur kann daher eben jenes Alleinstellungsmerkmal sein, dass (historische) Städte zum Ziel macht – wenn sie denn das Unverwechselbare stärken, Baukultur als „Rahmen“ oder „Kulisse“ im positiven Sinne in Szene setzen und touristische Nutzungen mit dem lokal- und regionaltypischen Charakter in Einklang bringen. Dass man dabei auch im zeitgenössischen Bauen auf Qualität und den Geist des Ortes setzen kann, beweisen die Detmolder selbst am besten: an vielen Plätzen in der Altstadt gehen alt und neu eine gelungene Melange ein und erhöhen die Aufenthaltsqualität für Gäste und Einheimische.

Dritter Referent des Tages war Christian Antz von der FH Westküste, der die Verbindung von Kulturdenkmal („Hardware“) und Event („Software) als besonderen Vorteil für die historischen Städte hervorhob. In der „Verlebendigung“ des kulturellen Erbes sieht er denn auch die größten Chancen des Kulturtourismus. Dabei sind ihm die Einheimischen ein mindestens genauso wichtiger Markt wie die Touristen.

Baukultur in Detmold © COMPASS GmbH

Am Nachmittag wurde aus der Praxis berichtet: Benjamin Gottstein von Tourismus-zukunft brachte ein Beispiel aus Bayern, wo Bürger und Familien als Influencer angeworben wurden, um ihre Region authentisch und lebensnah über die Sozialen Medien zu kommunizieren. Dass auch analoge Produkte erfolgreich sein können, berichtete Janine Kauk aus dem Landkreis Elbe-Elster, die über den „Lutherpass“ („…es ist banal: die Leute sammeln Stempel!“) und das Memory-Spiel „Kulturschatzsucher“ die Region von innen heraus aktivieren und mitnehmen wollen.

Auf Bewegung – als Reiseanlass und Reiseziel – setzen Tim Strakeljahn von pro-t-in für die Radroute Historische Stadtkerne NRW und Christof Rose für das neue Projekt SightRunning NRW, initiiert von der Landesarchitektenkammer. Laufinteressierte können ab Frühjahr 2019 per App und Audio Guide ihre Fitnesswege mit Hörinformationen zu Architektur und Baukultur in den teilnehmenden Städten ergänzen. Hans-Joachim Frank von dertheater 89 gGmbH, erzählte mit Blick auf die Sommertheater-Initiative der AG Städte mit historischen Stadtkernen Brandenburg von unverwechselbaren Bühnenerlebnissen, Wiederentdeckungen alter Dichter und Chorgesängen mit Publikum: „Freilichttheater sind zwar eine Herausforderung für Ensembles, aber das Publikum in ländlich geprägten Regionen will solche Angebote“. Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Harald Münzner das Projekt ‚Kalkar leuchtet‘ aus dem Jahr 2017 vor und motivierte dazu, besondere Erlebnisse nicht an Bedenkenträgern und Finanzsorgen scheitern zu lassen.

Im Laufe des Jahres 2019 wird es eine ausführliche Dokumentation geben, die über die Webseite der AG Historische Stadt- und Ortskerne NRW abrufbar sein wird (www.hso-nrw.de).

Baukultur in Detmold © COMPASS GmbH

Autor: Martina Leicher

I am Managing Director of COMPASS and studied Geography and Ethnology at the Universlty of Cologne and Urban Development at the University of Bonn. My consultancy focus lies in destination management and tourism marketing, as well as in research with concentration on tourism & peace and sustainibility. Contact: leicher@compass-cbs.de, tel. +49 (0)221 29062838

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