Internationales UNWTO-Handbuch “Tourismus & Frieden” jetzt auch online!

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Kann Tourismus Frieden fördern?

Tourismus ist naturgemäß sehr anfällig für jede Form von Konflikten und damit abhängig von einem gewissen Maß an Stabilität und Sicherheit. Fehlt diese Sicherheit, kommen keine Gäste, die Destination und die gesamte Tourismuswirtschaft entwickelt sich nur schlecht oder gar nicht. Die Länder des „Arabischen Frühlings“ sind derzeit gerade ein trauriges Beispiel dafür. Gleichzeitig ist der Tourismussektor jedoch auch erstaunlich robust, erholt sich in der Zeit nach einem Konflikt meist schnell und ist in der Lage, sich flexibel an besondere Umstände anzupassen.

UNWTO Handbook on Tourism and PeaceUNWTO «International Handbook on Tourism and Peace» veröffentlicht

Die friedensstiftende Rolle von Tourismus steht im Mittelpunkt des Anfang des Jahres veröffentlichten Handbuchs. Wissenschaftler, Praktiker und Politiker tragen mit ihren Fallstudien aus verschiedenen Weltregionen – darunter die Alpen-Adria-Region, Nepal, Myanmar, Sri Lanka, Ruanda, Kenia und Kolumbien – zur globalen Diskussion bei, wie und in welchem Maße Tourismus dazu beitragen kann, Frieden zu sichern oder zu erhalten – und zwar sowohl innerhalb einer Nation als auch grenzüberschreitend.

Das Handbuch widmet sich auch dem Friedenstourismus – eine neue Form des Reisens zu Orten, die eng mit Frieden verbunden sind – sowie dem friedenssensiblen Tourismus, der auf ein besseres Verständnis zwischen den Akteuren abzielt.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass verantwortungsbewusster und integrativer Tourismus als Wirtschaftsaktivität unter bestimmten Voraussetzungen eine friedensstiftende Wirkung – z.B. in den Bereichen soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, ökonomisches Gleichgewicht, nachhaltige Entwicklung und Demokratisierung – haben kann, die im besten Falle zu einer gewaltfreien Konfliktlösung beiträgt.

Der Handbuch Beitrag von COMPASS

COMPASS und unser Forschungspartner swisspeace aus Bern haben eines der umfassendsten Kapitel zu diesem Handbuch geliefert, das die Ergebnisse aus einer bereits in 2009 erstellten, gemeinsamen Forschungsarbeit zusammenfasst. Kern dieser Studie war die umfassende Untersuchung der drei Länderbeispiele Ruanda, Sri Lanka und Kroatien. Bis heute ist es eine der wenigen Studien über den privaten Tourismussektor in von Konflikten betroffenen Destinationen.

Das Handbook on Tourism and Peace ist jetzt auch online erhältlich.

Es bleiben noch viele offene Fragen…

Auch wenn es unter den Wissenschaftlern inzwischen allgemeingültig zu sein scheint, dass Tourismus ein Instrument zur Friedensförderung sein kann, fehlt gerade den Akteuren der Tourismuswirtschaft oft das Verständnis und Wissen, wie sie die Risiken, die mit dem jeweiligen Konflikt einhergehen, minimieren können. Genauso wenig kennen sie die Mechanismen, die sie proaktiv nutzen könnten, um mögliche negative Einflüsse der eigenen Geschäftstätigkeit auf den Konflikt zu vermeiden und stattdessen einen positiven Beitrag zur Friedenskonsolidierung zu leisten.

In vielen Post-Konflikt-Destinationen kann vor allem der privatwirtschaftliche Tourismussektor zu einer schnelleren wirtschaftlichen Erholung beitragen: durch Investitionen in Infrastruktur und Arbeitsplätze, durch den Transfer von Know-how und Expertise für die lokale Bevölkerung oder durch die Schaffung neuer Geschäftsfelder. Gleichzeitig können gegenseitige wirtschaftliche Interessen und gemeinsame Ziele genau die Menschen wieder zusammen bringen, die zuvor Gegner gewesen sind.

Neues Forschungsvorhaben

Wie genau dieses positive Potential, das der Tourismus bei der Friedenskonsolidierung haben kann, genutzt werden kann, sollte durch weitere Forschungsprojekte untersucht und konkretisiert werden.  COMPASS plant derzeit zusammen mit der Universität Klagenfurt und ihrem Zentrum für Friedensforschung ein neues Forschungsvorhaben, das sich auf die Frage fokussieren wird, durch welche ganz konkreten Geschäftspraktiken die Tourismusbranche zu Frieden und Entwicklung beitragen kann. Im Moment sind wir in der Finanzierungsphase…

Habt ihr Erfahrungen, Hinweise o.ä. für uns? Wir freuen uns über eure Anmerkungen und halten euch hier im Blog über alles Weitere auf dem Laufenden.

Viele Grüße

Martina Leicher

Autor: Martina Leicher

I am Managing Director of COMPASS and studied Geography and Ethnology at the Universlty of Cologne and Urban Development at the University of Bonn. My consultancy focus lies in destination management and tourism marketing, as well as in research with concentration on tourism & peace and sustainibility. Contact: leicher@compass-cbs.de, tel. +49 (0)221 29062838

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