Religion und Tourismus – Wie man beides gut unter einen Hut bekommt, am Beispiel des Klosters Maria Laach (Eifel)

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Das Tourismus und Religion große Überschneidungspunkte haben, liegt auf der Hand. Seit jeher pilgern Menschen zu ihren heiligen Stätten oder auf heiligen Wegen, die neben ihrer religiösen Bedeutung derweil auch von Gästen angesteuert werden, die nicht gläubig sind. Sofort fallen einem die Klagemauer in Jerusalem ein, die vielen Tempel und Moscheen in der der Asiatischen und Arabischen Welt, der Tempel der Mormonen in Salt Lake City, der Jacobsweg , der Petersdom in Rom, oder die Kirchen und Klöster im eigenen Land.

Religiös motivierte Besucher und Bewohner möchten nicht gerne durch „die Touristen“ in der Ausübung ihres Glaubens gestört oder gar wie im Zoo betrachtet werden. Deshalb werden Eintritte erhoben und sonst öffentliche Kirchen für den Gottesdienst geschlossen. Es gibt bestimmte Kleidervorschriften. Um eine Synagoge zu betreten, müssen sich auch Nichtgläubige eine Kippa aufsetzen. In Moscheen werden die Schuhe ausgezogen. In christlichen Kirchen sind Shorts und Miniröcke unangebracht. Es gibt so viele Beispiele dafür, die hier nicht aufgezählt werden können, doch immer geht die Überschneidung von Tourismus und Religion mit  Rücksichtnahme und Regelbefolgung einher, welche einen hohen grad an Sensibilität erfordert, damit dieses Konstrukt funktioniert. Das es häufig nicht funktioniert ist bekannt und oftmals Grund für Unmut und Missverständnisse.

Doch was passiert, wenn Religion und Tourismus miteinander existieren müssen? Das Kloster Maria Laach am Laacher See in der Eifel ist auf den Tourismus als Wirtschaftsfaktor angewiesen, da sich das Kloster selbst finanzieren muss. Somit tritt das Kloster neben seiner religiösen Bedeutung für die dort lebenden Mönche, auch als Arbeitgeber auf und unterhält diverse klostereigene Wirtschaftbetriebe, wie einen Buchverlag, eine Buch- und Kunsthandlung, eine Gärtnerei, einen Hofladen, der Bioprodukten aus den angeschlossenen Ländereien verkauft, ein Hotel, einen Gastflügel und Handwerksbetriebe (Töpferei, Buchbinderei, Bildhauerei, Kunstschmiede). Für diese Betriebe ist es wichtig, dass Maria Laach auch als Ausflugs- und Übernachtungsziel attraktiv ist, aber authentisch genug, dass es als Kloster und religiöse Stätte wahrgenommen wird und nicht als Shopping Mall mit angeschlossener Kirche. Gleichzeit steht nach wie vor die Funktion eines aktiven Mönchsklosters im Vordergrund und die dort angebotene Seelsorge. Menschen, die sich in ein Kloster zurückziehen, haben sich dazu entschlossen, ihren Dienst ganz Gott zu widmen und suchen die Stille, Zeit zur Kontemplation und die Abgeschiedenheit. Wenn lärmende Touristengruppen durch das Klostergelände streifen und „shoppen“ stoßen zwei Welten,  zwei unterschiedliche Bedürfnislagen aufeinander.

Um genau diesen Spagat zu schaffen, wurde COMPASS vom Kloster beauftragt, eine Tourismusstrategie zu entwickeln, wie sich Maria Laach besser positionieren kann, um attraktiver für Gäste zu sein, die Wirtschaftsbetriebe einbezogen werden können, aber das klösterliche Leben nicht gestört oder negativ beeinflusst wird.

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass der höchste Grad an Authentizität erreicht wird, wenn das Kloster sich nicht mehr öffnet, als ihnen lieb ist, sondern dass das Kloster selbst die Regeln vorgibt. Hier bestimmt also nicht unbedingt die Nachfrage das Angebot, sondern das Kloster als Institution und der Konvent als Glaubensgemeinschaft geben vor, wie viel „Tourismus“ stattfinden darf. Das ist besonders wichtig bei der Ansprache und Koordination von Busreisegruppen, Interessenten für Führungen durch das Gelände, aber auch für die Qualität und Authentizität der klostereigenen Produkte.

Dennoch, und diese Erkenntnis war zu mindest für die Klostermitarbeiter nicht einfach, braucht das Kloster als Tourismusdestination die gleichen Strukturen, wie jedes andere Ausflugsziel auch: Ein zentrales Marketingbüro, welches Pressestelle, Veranstaltungskoordination, Social-Media-Beauftragter und Ansprechpartner für die Klosterbetriebe zugleich ist. Transparente Strukturen und eine klare Kommunikation sind nicht nur für die Gäste hilfreich, die sich für eine religiöse Destination interessieren, sondern fördern auch das Bedürfnis derer, die sich nach Frieden, Ruhe  und innerer Einkehr sehnen. Die beiden Pole, Abgrenzung und Öffnung, müssen bei religiösen Destinationen sensibel behandelt werden, um die Authentizität des Ortes zu wahren und den Ausverkauf  des spirituellen Erbgutes zu verhindern.

www.maria-laach.de

Autor: COMPASS

Das Team von COMPASS widmet sich in diesem Blog inhaltlich den übergeordneten Themen Marketingbüro, Europa, Tourism & Peace, Nachhaltigkeit und Marktforschung.

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