Branchentreff der deutschen Tourismusindustrie: BTW Tourismusgipfel

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Montag im legendären Adlon in Berlin: alles, was Rang und Namen hat in der deutschen Tourismusbranche, traf sich zum BTW Tourismusgipfel: Klappe, die 17., in etwas verkürztem Format – nur noch ein langer Tag statt den bisher eineinhalb Tagen. Bei den bisherigen Gipfeln hatte man immer den Eindruck, dass Netzwerken und Kontaktpflege im Vordergrund standen, wohingegen die Redner und Teilnehmer der Podiumsdiskussionen sich inhaltlich vor allem meist um sich selbst drehten und sich gegenseitig allzu gerne lobend auf die Schulter klopften.

Diese gehörige Portion Eigenlob und Selbstverliebtheit gab es dieses Jahr viel weniger: natürlich machten sowohl Dr. Michael Frenzel, Präsident des BTWs, als auch der Präsident der Europäischen Kommission Manuel Baroso gebetsmühlenartig auf die wichtige Bedeutung der Tourismuswirtschaft für Deutschland (7% der Beschäftigten, 4,4% des BIP und damit größer als die Automobilindustrie) und Europa (400 Mio Touristen p.a. = 40% des weltweiten Tourismusaufkommens, 30 Mio. Beschäftigte) aufmerksam. Die eindringliche Rede der griechischen Tourismusministerin schlug nochmal in dieselbe Kerbe, in dem sie aufführte, wie entscheidend der Tourismus zum Wiedererstarken der griechischen Wirtschaft beiträgt. Aber das war es dann auch mit dem „im-eigenen-Saft-schmoren“.
Passend zu der mehrfach betonten Tatsache, dass die Tourismus eine der „herausforderndsten und komplexesten Industrien überhaupt“ (Frenzel) und wie keine andere eine Querschnittsbranche ist, kamen vermehrt auch mal Redner zum Zuge, die nicht originär der Tourismusbranche angehören. Und das war richtig erfrischend!

Die Keynote für die Podiumsrunde zum Thema Digitalisierung der Tourismuswirtschaft wurde z.B. von Christoph Keese, dem Executive Vice Präsident der Axel Springer AG gehalten. Etwas ungewöhnlich im Einstieg (privat anmutende Diashow), dafür aber sehr anschaulich, berichtete er von den Erkenntnissen aus einem mehrmonatigen Manageraufenthalt im Silicon Valley, wo seines Wissens nach 80% des weltweiten Onlinegeschehens verortet sind. Seine Kernaussage: „wenn man nicht versteht, wie die Wertschöpfungsketten der Zukunft aussehen, findet man auch keinen Platz darin“. Seine Aufforderung zum Quer- und „über-den-Tellerrand-hinaus-denken“ wurden in der anschließenden Podiumssession von den Vertretern des VIR, der DER Touristik, prizeotel und der Accor Gruppe aufgegriffen und auf die Touristik übertragen. Einig war man sich, dass eine reine Digitalisierung des Geschäftes nicht nachhaltig zielführend ist, sondern dass man immer einen Nutzen stiften muss, um sich am Markt behaupten zu können. Und: dass im Internet nicht der den Vorteil hat, der das Produkt hat, sondern der, der die Informationen über die Kunden hat. Nur so ließe sich die Logik hinter den Kundenentscheidungen verstehen und mit Hilfe der Online-Technologie ungenutzte Ressourcen heben.
Ebenfalls sehr anregend war die Rede von Dr. Kerber, Hauptgeschäftsführer des BDI, dem es gelang, die Herausforderungen für die deutsche Industrie im Allgemeinen in den europäischen und weltweiten Kontext zu stellen. Er berichtete sehr kurzweilig über neue Impulse aus anderen Wirtschaftssegmenten und lieferte damit Anregungen für die Tourismusbranche.
Traditionellerweise werden zum Tourismusgipfel auch immer die Vertreter der aktuellen Regierung geladen – jedoch kamen in Ermangelung einer selben dieses Jahr andere Politiker diverser Parteien zum Zuge, sich mit den üppigen 14 Zeilen, die im neuen Koalisationsvertrag die Tourismuswirtschaft betreffen, auseinandersetzten.
Der Tag war sehr lang, aber durch die allesamt interessanten Redner und Inhalte wirklich abwechslungsreich. Beim anschließenden „Wining and Dining“ im proppevollen Ballsaal des Adlons netzwerkte die Branche dann noch bis in die frühen Morgenstunden, was das Zeug hielt. Das neue, kürzere Format hat sich bewährt und sollte so auch weitergeführt werden, wenn der BTW Tourismusgipfel im nächsten Jahr „volljährig“ wird.

Lesen Sie mehr auf: www.btw.de

Autor: Martina Leicher

I am Managing Director of COMPASS and studied Geography and Ethnology at the Universlty of Cologne and Urban Development at the University of Bonn. My consultancy focus lies in destination management and tourism marketing, as well as in research with concentration on tourism & peace and sustainibility. Contact: leicher@compass-cbs.de, tel. +49 (0)221 29062838

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