Zusammenarbeit über Grenzen hinweg: Ein Praxisbericht von REGION OHNE GRENZEN

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Das EU-geförderte INTERREG IV-A-Projekt REGION OHNE GRENZEN war eines der größten Projekte der euregio rhein-maas-nord. Insgesamt haben sich 20 deutsche und niederländische Partner in den beiden Teilprojekten B2B und Tourismus/Marketing beteiligt. Das Projektgebiet erstreckte sich dabei über den nördlichen Teil der Provinz Limburg und den mittleren Niederrhein. Doch wie kann die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in einem so groß angelegten Projekt gewährleistet werden?

Die organisatorische Ebene

Villa Flora: The project office in Venlo

Villa Flora: Project office for Dutch-German cross-border cooperation in Venlo.

Das Herzstück des Projektes stellte das Projektbüro in der Villa Flora dar, welches als externe Dienstleister das Projektmanagement übernommen hatte. Das Konsortium, bestehend aus 3Hoog Design, InovaMedia und COMPASS, war Anlaufstelle sowohl für Belange der Projektpartner, als auch für die touristischen Leistungsanbieter und Wirtschaftsunternehmen der Region.

Die Projektpartner ernannten zu Beginn jeweils einen Vertreter für die beiden Teilbereiche B2B und Tourismus. In regelmäßigen Sitzungen wurden abgeschlossene Aktionen präsentiert, neue Ideen besprochen und weitere Aktivitäten geplant. In der Begleitungsgruppe mit allen Teilnehmern, konnten allgemeine Projektangelegenheiten besprochen werden. Hier muss darauf geachtet werden, dass die Treffen kontinuierlich frequentiert werden und sich die Projektpartner ausreichend involviert fühlen.

Ein Intranet erleichterte zu Beginn die Kommunikation untereinander und die Dokumentation der Projektaktivitäten. Es stellte sich jedoch heraus, dass dieses Medium nur sehr einseitig genutzt wurde und eigentlich auf Interaktion basieren sollte.

Als ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Zusammenarbeit stellte sich auch die Kommunikation zwischen den Projektpartnern und den ortsansässigen Unternehmen heraus. Die Arbeit des Projektbüros gestaltete sich nämlich umso leichter, je höher der Bekanntheitsgrad des Projektes war. Entsprechend müssen die Unternehmen, die letztendlich am meisten von dem Projekt profitieren, auch ausreichend informiert werden (durch Presse, Kommunen, Projektbüro, andere Organisationen etc.).

Ein nicht zu unterschätzender Bestandteil stellte der administrative Aufwand dieses INTERREG-Projektes dar. Bereits im Voraus wurden umfangreiche Vorarbeiten geleistet, die langwierig sind und das Projekt verzögert haben.

Die unternehmerische Ebene

Dutch-German workshops and discussions

Exchange of experiences in many workshops and discussions.

Ziel des Projektes war es, grenzüberschreitende Kooperationen und Innovationen zwischen deutschen und niederländischen Unternehmen zu fördern und zu begleiten. Doch wie bekommt man die Unternehmer überhaupt an einen Tisch?

Durch einen anfänglichen offenen Workshop mit über 100 Teilnehmern nach der Open-Space-Methodik, konnten die Bedürfnisse und gewünschten Themen der Unternehmer eingefangen werden. Auf diese Weise konnte an das Engagement der Unternehmer angeknüpft und diese in ihren Interessen bestärkt werden. Anschließend wurden die Themen in kleineren thematischen Workshops und Diskussionsrunden mit ausgewählten Teilnehmern vertieft. Basierend darauf konnten konkrete Maßnahmenpläne mit Verantwortlichkeiten entwickelt werden, um die Ideen verbindlich zu machen.

Im Projektbüro liefen alle Fäden zusammen. Hier wurden Unternehmen mit Ihren Fragestellungen betreut. Wichtiges Kriterium für reibungslose Abläufe war die Zweisprachigkeit des Projektteams, um gezielt auf die Anfragen der deutschen und niederländischen Unternehmer einzugehen. In der Villa Flora standen auch Räumlichkeiten zur Verfügung, so dass Unternehmen den Erstkontakt auf neutralem Boden herstellen konnten.

Außerdem wurde eine zweisprachige Unternehmensdatenbank ins Leben gerufen, die den Austausch untereinander gewährleisten sollte: Eine Art „Dating-Website“ für Unternehmer. Hier konnten Betriebe sich und ihre Produkte/Dienstleistungen präsentieren, sowie andere interessante Unternehmen suchen und auch finden. Eine solche Plattform lebt von der Interaktion und entsprechend füllte sich diese mit steigender Mitgliederzahl mit Leben.

Sprachbarrieren abbauen

Obwohl die Niederrheiner ihren niederländischen Nachbarn räumlich so nahe sind, stellt die Sprache noch immer eine gewisse Barriere dar. Oftmals rutschte die Verhandlungssprache ins Deutsche, da viele Niederländer in der Grenzregion Deutsch sprechen. Allgemein wurde jedoch abgesprochen, dass jeder in seiner Muttersprache kommuniziert, da man sich darin doch wesentlich wohler fühlt sowie besser und einfacher ausdrücken kann. Wenn doch einmal etwas nicht verstanden wurde, waren genügend Personen anwesend, die kurz als Dolmetscher einspringen konnten. Alle Teilnehmer haben somit Verständnis für ihr Gegenüber aufgebracht, so dass wir mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht haben.

Fazit

In der Realität umfasste das Projekt natürlich weitaus größere Dimension als es möglich ist, hier in Kürze darzustellen. Für mich als Projektmitarbeiterin sind die folgenden Aspekte wesentlich für die die erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit:

  • Gute Vorbereitung des Förderantrags
  • Klare Organisations- und Kommunikationsstrukturen mit eindeutigen Verantwortungsbereichen
  • Transparente Projektpläne
  • Zweisprachige Ansprechpartner und deutliche Kommunikation (nach innen und außen)
  • Ein Anlaufpunkt als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kommunen
  • Niedrigschwellige Angebote schaffen, um die Unternehmer an die Hand zu nehmen
  • Organisation von Workshops und Netzwerkveranstaltungen, um den persönlichen Austausch zu fördern
  • An den Bedürfnissen der Unternehmer ansetzen – Bottom-Up-Ansatz
  • Allgemeine Informationen bereitstellen
  • Für direkte Kooperationen: Die Chemie zwischen zwei Partnern muss stimmen

Jedoch möchte ich darauf hinweisen, dass natürlich nicht alle Gespräche automatisch zu handfesten Kooperationen werden. Doch bereits der persönliche Kontakt über die Grenze hinweg kann in Zukunft vielleicht fruchtbar sein… Warum also nicht über den eigenen Tellerrand hinaus schauen?

Frei nach dem Zitat von Henry Ford: „Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ein Erfolg.“

Informationen zum Projekt REGION OHNE GRENZEN: www.regionohnegrenzen.de

Autor: COMPASS

Das Team von COMPASS widmet sich in diesem Blog inhaltlich den übergeordneten Themen Marketingbüro, Europa, Tourism & Peace, Nachhaltigkeit und Marktforschung.

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